Seit Montag haben viele Einzelhändler für ihre Kunden wieder geöffnet – Sicherheit geht weiter vor, es wird viel für die Hygiene getan

 

Es ist wohl die Botschaft der vergangenen Tage: „Wir sind wieder für Sie da!“ Mit Inkrafttreten der neuen Corona-Schutzverordnung durften viele Geschäfte in der Region wieder öffnen.

„Ich bin froh, dass es wieder losgehen kann“, sagt auch Renate Bartmann, Buchhändlerin aus Rees und Vorsitzende der örtlichen Werbegemeinschaft. „Es bringt ein Quäntchen Normalität und Entspannung zurück.“ Doch auch aus wirtschaftlicher Sicht sind die von der Bundesregierung beschlossenen Lockerungen gerade für die Einzelhändler wichtig.

In den vergangenen Wochen hat Bartmann, wie viele Einzelhändler in ganz Deutschland, einen Online-Bestellservice mit Lieferung angeboten. „Das wurde recht gut angenommen, war aber kein Vergleich zu einem ‚normalen‘ Verkauf im Geschäft“, berichtet Bartmann. Ihr Fazit nach den ersten fünf Tagen seit der Wiedereröffnung: „Es ist ganz gut angelaufen.“ Der große Ansturm sei ausgeblieben. „Man merkt schon eine gewisse Verunsicherung bei den Kunden“, schildert Bartmann die Stimmung im Geschäft. „Viele fragen sich: Wie soll ich mich verhalten? Mache ich alles richtig?“ Ähnliches hat sie auch von anderen Einzelhändlern in Rees erfahren: Die Kunden kommen langsam wieder, wenn auch verhalten.

Vor der Öffnung hatte Bartmann ihre Buchhandlung fit gemacht: Es stehen Desinfektionsmittel zur Verfügung, die Abstandsregeln können problemlos eingehalten werden. Im Fall einer größeren Kundenanzahl „müssen wir gegebenenfalls darum bitten, nur zu zweit ins Geschäft zu kommen“.

Auch die Freude bei den Klever Einzelhändlern war groß, als sie am vergangenen Montag ihre Türen wieder öffnen durften. „Die Resonanz war sehr positiv. Sie haben sich gefreut, endlich wieder für ihre Kunden da sein zu können“, sagt Kleves Wirtschaftsförderer Dr. Joachim Rasch.
Das Einhalten der Auflagen sei in Kleve kein Problem gewesen. „Das Ordnungsamt der Stadt Kleve hat in der Innenstadt kontrolliert, ob die Auflagen eingehalten werden. Mir ist nicht bekannt, dass es etwas zu beanstanden gab“, sagt Rasch. Die Mitarbeiter wurden mit Masken ausgestattet, an den Eingängen stellten die Einzelhändler Desinfektionsmittel bereit, sie sorgten für getrennte Ein- und Ausgänge und gaben auf dem Boden mit Klebestreifen einen sicheren Weg für Kunden durch die Geschäftsräume vor. All das habe bereits in der ersten Woche gut funktioniert, bestätigt Rasch.

Für Verwirrung sorgte am vergangenen Montag lediglich die Öffnung des Modehauses Mensing an der Kavarinerstraße in Kleve. Storemanagerin Brigitta Schmitt hatte zwar den oberen Teil des Damenbekleidungshauses durch eine Feuerschutztür abgetrennt, sodass die tatsächliche Verkaufsfläche lediglich noch 638 Quadratmetern betrug. Das Ordnungsamt der Stadt Kleve untersagte ihr aber trotzdem eine Öffnung des Damenbekleidungshauses an der Kavarinerstraße. „In dem Erlass der Landesregierung stand drin, dass alle Geschäfte mit einer Fläche von über 800 Quadratmetern geschlossen bleiben müssen. Aus dem Erlass ging nicht hervor, wie es sich verhält, wenn Einzelhändler die Fläche durch Abtrennungen auf unter 800 Quadratmetern reduzieren. Um sicherzugehen, hat das Ordnungsamt der Stadt Kleve daher auch das generelle Öffnen der Geschäfte mit über ursprünglich 800 Quadratmetern Verkaufsfläche untersagt“, erklärt Rasch. Bereits am Mittwoch konnte das Modehaus Mensing aber schon wieder aufatmen: Die Landesregierung gab bekannt, dass ab kommenden Montag auch Geschäfte mit über 800 Quadratmetern Verkaufsfläche öffnen dürfen, wenn sie ihre Verkaufsfläche auf unter 800 Quadratmetern reduzieren.

In dieser Woche war bislang nur das Herrenhaus des Bekleidungsunternehmens an der Herzogstraße geöffnet. „Auch einen kleinen Teil der Damenbekleidung haben wir dort angeboten“, sagt Schmitt. Die Resonanz sei in Anbetracht der Umstände gut gewesen. „Wir hatten zwar keine Vielzahl von Kunden und nicht dieselbe Resonanz, wie vor der Corona-Krise, aber die Kunden, die ins Geschäft kamen, waren interessiert und haben auch fast alle etwas gekauft“, sagt Schmitt, die darüber sehr erleichtert war.

In den Wochen, in denen der Einzelhandel komplett geschlossen bleiben musste, bot Mensing zwar einen Lieferservice an, „dieser konnte aber nicht den normalen Betrieb ersetzen. Er hat uns aber dennoch geholfen, die Zeit zu überstehen“, sagt Schmitt. Ab Montag soll er aber vorerst wieder eingestellt werden.

Nach bereits mehreren Wochen Kontaktverbot hätten sich die Klever Bürger gefreut, dass sie in der Klever Innenstadt in dieser Woche wieder etwas bummeln konnten, sagt Wirtschaftsförderer Rasch. „Die Innenstadt war gut besucht. Die Leute haben es genossen, dass sie wieder rausgehen und etwas Abwechslung haben konnten“, sagt Rasch. Es sei zudem zu sehen gewesen, dass sich die Klever Bürger an die Auflagen der Landesregierung halten und auf Abstand zueinander gehen. „Auch hier gab es keine Beschwerden seitens des Ordnungsamtes“, sagt Rasch.

Brigitta Schmitt konnte ebenfalls feststellen, dass viele Kunden froh waren, wieder shoppen gehen zu können: „Sie freuten sich einfach, wieder rauszukommen und hielten sich dabei an alle Vorgaben.“

Ein gleiches Bild ergab sich in dieser Woche auch in Uedem. „Die Menschen freuen sich, dass wir wieder da sind und uns hat es unheimlich Spaß gemacht – da merkt man erst, was man vermisst“, fasst Heidi Binn, Chefin des Uedemer Werberings, die ers­ten Tage nach den Lockerungen der Corona-Maßnahmen im Einzelhandel zusammen. Das Fazit für Uedem falle positiv aus: „Die Menschen halten sich an die Regeln, der Abstand wird beachtet, alles läuft ruhig ab.“ Eine Einschätzung, die sie auch aus den Reihen ihrer Händlerkollegen erreicht hat. Ab der kommenden Woche wird Heidi Binn zudem Masken im Angebot haben: „Für die Kunden, die noch keine bekommen konnten.“

Für Renate Bartmann aus Rees ist derweil klar: Aus der Coronakrise gilt es, Lehren zu ziehen. „Vor allem im Online-Bereich müssen sich viele Einzelhändler besser aufstellen, diese Sparte forcieren – oder überhaupt anbieten.“ Denn gerade in einer solchen Situation sei es extrem wichtig, den Kunden das Gefühl und die Information zu vermitteln, dass weiterhin ein Service angeboten wird. „Dazu muss man einfach aus der langjährigen Komfortzone herauskommen und neue Ideen entwickeln“, mahnt Bartmann. „Man muss auch riskieren, Fehler zu machen. Nur so kann man lernen und etwas verändern.“ SP/MB/CDS